Betriebliches Gesundheitsmanagement

Das Netzwerk «Unternehmen Verantwortung» unterstützt seine Mitglieder darin, ihre soziale Verantwortung wahrzunehmen. Dazu gehören auch Gesundheitsförderung und Gesundheitsmanagement im eigenen Betrieb: Sie wirken sich positiv sowohl auf die individuelle Gesundheit der Mitarbeitenden aus als auch auf den Erfolg des Unternehmens und letztlich auch auf die Wirtschaft und Gesellschaft.

Gesundheitsförderung und Gesundheitsmanagement liegen sowohl in der Verantwortung der Arbeitnehmenden als auch der Arbeitgebenden und bedingen deren Zusammenwirken. Das Netzwerk «Unternehmen Verantwortung» macht sich stark für die Sensibilisierung für Gesundheitsfragen in der Alltagspraxis und für eine gesundheitsfördernde Unternehmenskultur.

Worum geht es?

Gesundheit ist mehr als nur die Abwesenheit von Krankheit. Die Weltgesundheitsorganisation WHO definiert Gesundheit als «Zustand eines körperlichen, geistigen, und sozialen Wohlbefindens». Gesundheit entsteht folglich nicht im privaten Umfeld allein, sondern ist als ein steter, dynamischer Prozess zu verstehen, auf den alle Lebensbereiche einer Person einwirken. Die Arbeitswelt als zentraler Lebensbereich der erwerbstätigen Bevölkerung kann zu deren Gesundheit und Wohlbefinden massgeblich beitragen.

Gleichzeitig verlangt die Arbeitswelt von den Erwerbstätigen eine immer grössere Flexibilität und grössere Effizienz. Das hat auch gesundheitliche Folgen: Während in den letzten zwei Jahrzehnten die Zahl der Arbeitsunfälle deutlich zurückgegangen ist, sank die Zahl der arbeitsbedingten Erkrankungen nicht. Die darauf zurückzuführenden betriebs- und volkswirtschaftlichen Kosten gehen in die Milliarden.

Die Fähigkeit der Mitarbeitenden, die Anforderungen der Arbeitswelt erfolgreich und gesund zu bewältigen, ist daher zum entscheidenden Erfolgsfaktor der Unternehmen geworden.

Arbeit und Gesundheit: Wie hängen sie zusammen?

Unsere Gesundheit wird stark von der Arbeitswelt geprägt – nicht nur, weil wir einen erheblichen Teil unseres Lebens in und mit der Arbeit verbringen, sondern auch, weil die Arbeitsbedingungen unseren Gesundheitszustand – körperlich wie mental – direkt beeinflussen. Negative Stimuli wie Lärm, schlechtes Licht, Zeitnot und Stress, Über- oder Unterforderung wirken langfristig auf den Gesundheitszustand genauso wie positive: Anerkennung, Selbstvertrauen, ergonomische Arbeitsplatzgestaltung, Bewegungsautonomie, Zeit zum Essen.

Eine grosse Herausforderung unserer Zeit ist Stress am Arbeitsplatz. Damit ist ein Ungleichgewicht zwischen Belastungen und den verfügbaren Bewältigungsressourcen einer Person gemeint. Dieses Ungleichgewicht schränkt das Wohlbefinden ein; langfristig kann es zu Krankheiten und Arbeitsausfällen führen. Laut dem Job-Stress-Index 2018 fühlt sich inzwischen knapp ein Drittel der Erwerbstätigen emotional erschöpft. Dieser Wert ist in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen.

So nehmen auch Krankheiten, die auf psychische Belastungen infolge der Intensivierung von Arbeit, Zeitdruck und Stress zurückgehen, eindeutig zu. Arbeitgeber in der Schweiz erleiden allein wegen stressbedingter Erkrankungen und Ausfälle Produktivitätsverluste im Umfang von 6,5 Milliarden Franken pro Jahr. Das entspricht etwa 1% des Bruttoinlandproduktes der Schweiz (Job-Stress-Index 2018).

Was ist betriebliches Gesundheitsmanagement?

Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) ist eine moderne Unternehmensstrategie, die über betriebliche Strukturen und Prozesse die Gesundheitspotenziale der Mitarbeitenden stärkt, das Wohlbefinden am Arbeitsplatz verbessert und Krankheiten vorbeugt. BGM setzt die Mitwirkung aller Personengruppen und Ebenen im Betrieb voraus, ist idealerweise Teil der Unternehmensstrategie und spiegelt sich in der Unternehmensführung und -kultur wider. BGM berücksichtigt sowohl die Arbeitsbedingungen als auch das individuelle Gesundheitsverhalten der Mitarbeitenden und kommt beiden, der Organisation und den Mitarbeitenden zugute.

Was gehört zu BGM?

Die Stiftung Gesundheitsförderung Schweiz unterscheidet 3 Säulen des betrieblichen Gesundheitsmanagements:

  • Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz: Zu beiden sind die Betriebe von Gesetzes wegen verpflichtet. Unter anderem sind diese Bestimmungen im Arbeitsgesetz und im Bundesgesetz über die Unfallversicherung (UVG) geregelt.
  • Abwesenheitsmanagement und Case Management: Hierzu gehören der Umgang mit Absenzen sowie die Begleitung bei der Rückkehr an den Arbeitsplatz nach längeren Absenzen.
  • Betriebliche Gesundheitsförderung: Die Gesundheitsförderung hat zum Ziel, die Belastungen am Arbeitsplatz zu reduzieren und die Ressourcen der Mitarbeitenden durch günstige Rahmenbedingungen und Verhaltensmassnahmen zu stärken.
Was sind die Themen der betrieblichen Gesundheitsförderung?

Zu den Themen der betrieblichen Gesundheitsförderung zählen:

  • Bewegung
  • Ernährung
  • Entspannung
  • Vereinbarung Familie und Beruf/work-life-balance
  • Psychische Gesundheit am Arbeitsplatz
  • Stress und Umgang mit Stress am Arbeitsplatz
  • Burn-out
  • Sucht
  • Führungs-, Feedback- und partizipative Betriebskultur
Was ist der Nutzen von BGM?

Vorbeugen ist besser als heilen. Dieses Sprichwort ist im Fall von BGM wörtlich zu verstehen: BGM zahlt sich aus. Gesunde Mitarbeitende fallen krankheits- oder unfallbedingt seltener aus, sie arbeiten produktiver und effizienter. Die Fluktuationsraten sowie Fälle von Leistungseinschränkung sinken, stattdessen steigen die Motivation der Mitarbeitenden und ihre Loyalität gegenüber dem Arbeitgeber. Gesundheitsförderung und Gesundheitsmanagement bedeuten: gesunde Mitarbeitende, gesunde Unternehmenskultur und finanzielle Vorteile. In Zahlen rechnet sich systematisches BMG wie folgt:

  • 8'000 CHF weniger Produktivitätsverlust pro Jahr und Mitarbeitenden
  • 2,6 Arbeitstage weniger Absenzen pro Jahr und Mitarbeitenden
  • 25% weniger gestresste Mitarbeitenden

(Quelle: Schweizer Studie SWiNG, 2011; Gesundheitsförderung Schweiz)

Wie ist das BGM in Schweizer Betrieben verbreitet?

 

Die Stiftung Gesundheitsförderung Schweiz hat im Jahr 2016 zusammen mit der Universität Zürich und dem Link Institut eine Studie zur Verbreitung des BGM in der Schweiz durchgeführt. Befragt wurden insgesamt 833 Schweizer Betriebe in den Sektoren Industrie und Dienstleistung in drei Sprachregionen (deutsch, französisch und italienisch). Unterschieden wurden dabei 4 Komponenten des betrieblichen Gesundheitsmanagements:

  • Absenz- und Case Management
  • BGM-Strategie (Arbeitssicherheit, Gesundheitsschutz, strategische Verankerung von BGM, Einbezug der Mitarbeitenden)
  • Betriebliche Gesundheitsförderung und Mitarbeitenden-Befragung (Bewegungsförderung, Förderung gesunder Ernährung, Sensibilisierung zu Stress, Mitarbeitenden-Befragungen)
  • Arbeitsgestaltung, Personal- und Organisationsentwicklung (ergonomische Arbeitsplätze, Pausen, Betriebskultur, Führungskultur, Aufgabengestaltung, Vereinbarkeit von Beruf- und Privatleben, Personalentwicklung)

Die Studie ergab, dass 71% der Schweizer Betriebe BGM-Massnahmen umsetzen, 23% davon sogar systematisch und vollumfänglich. Dabei ist BGM in der Deutschschweiz stärker verbreitet als in der Romandie und im Tessin.

Potenzial orten die Betriebe vor allem in den Bereichen Stressprävention und Förderung der psychischen Gesundheit.

 

Was sind die Erfolgskriterien für BGM?

Gut umgesetztes betriebliches Gesundheitsmanagement wirkt. Es trägt zur Reduktion gesundheitlich bedingter Einschränkungen bei, fördert das Engagement und das Wohlbefinden. Voraussetzung für eine wirksame Umsetzung von BGM sind laut Studien:

  • Die Massnahmen sind top-down gestützt
  • transparente und genügende Kommunikation
  • Einbezug und Partizipation der Mitarbeitenden
  • Motivation der Beteiligten
  • breites Spektrum der Massnahmen
  • stabiler Betriebskontext

 

Was kann ich tun?

Betriebliches Gesundheitsmanagement ist nicht nur eine Strategie für Grossunternehmen. Jedes Unternehmen und jede Organisation kann entlang der eigenen Werte, Strukturen und Organisationsabläufe Massnahmen zur betrieblichen Gesundheitsförderung entwickeln und umsetzen. Wichtig ist die Verankerung der Gesundheitsförderung in der Geschäftsleitung. Es folgen darauf:

  • Analyse/ Bestandesaufnahme
  • Zieldefinition und Strategie-Entwicklung
  • Massnahmenentwicklung
  • Evaluation und Integration in den Lernprozess
Beispiele aus dem Netzwerk «Unternehmen Verantwortung»

Informationen folgen später